Nikon D5 Test – Ein Hands On Review

Nikon D5 Test – Ein Hands On Review

Nikon D5 – Das neue DSLR-Flaggschiff

Nikon D5 Review

Die D5 – Nikons neues Spiegelreflex-Flaggschiff

Die Nikon D5, das neue Spitzenmodell unter den Spiegelreflexkameras von Nikon: Lange wurde sie erwartet, viel wurde spekuliert. Im Januar wurde sie dann offiziell vorgestellt, seit März wird die Kamera nun ausgeliefert. Auch ich habe seitdem viele Tests gelesen und mir etliche Beispielfotos angesehen. Immerhin war eine Neuanschaffung für dieses Jahr schon eingeplant. Aber ist die D5 wirklich die richtige Kamera? Erfüllt sie die Erwartungen? Oder überwiegen die Nachteil: die nicht eingetretenen Erwartungen, die ich an die neue Nikon hatte, also all die Features, die sie eben NICHT hat? Es war an der Zeit, sich das Teil mal näher zu betrachten.

Die Nikon D5 im Test

Kurzerhand habe ich mir die D5 vergangene Woche ausgeliehen, um mir selbst ein Bild zu machen. Ich war gerade wegen eines Auftrags in München, ich bin gerade direkt an Foto Dinkel vorbeigefahren. Ich habe spontan angehalten, und es war tatsächlich gerade ein Leihgehäuse verfügbar. Also habe ich es direkt mitgenommen, um zu sehen, wie sich die Kamera im fotografischen Alltag schlägt.

Nikon D5 ISO-Test

Nikon D5 ISO-Test

1/80 Sek., f8, ISO 25600 (unbearbeitet)

Da ich erst abends wieder in  Nürnberg war, habe ich die Kamera auch gleich auf eines ihrer wichtigsten (und im Marketing am meisten vorgehobenen Merkmale) getestet. Es wurden ja nahezu fantastische Zahlen verkündet (ISO 3.280.000), die Rauscharmut wurde auch in vielen Tests hoch gelobt. Allerdings war mir auch vor jedem Test schon klar, dass die ganz hohen ISO-Bereiche in der Praxis nicht wirklich verwendbar sein würden. Die gezeigten Bilder bei den höchsten Stufen haben das auch schnell bestätigt. Aber wie sieht es bei realistischen ISO-Zahlen aus? Bis wann bekomme ich brauchbare Ergebnisse? Also bei Dunkelheit raus in die Stadt und die Empfindlichkeit mal schön nach oben geschraubt. Von den ersten Ergebnissen war ich dann auch

D5 Testfoto Rauschen 100 Prozent

100%-Crop (unbearbeitet)

recht beeindruckt. Bis ISO 8000 konnte die D5 tolle Ergebnisse liefern. Bei ISO 12800 waren die Bilder immer noch sehr gut, und selbst ISO 25600 lieferte noch brauchbare Ergebnisse. Da kann man die Fotos (je nach Verwendungszweck) mit ein klein bisschen Nacharbeit durchaus noch nutzen. Darüber waren die Bilder für meine Zwecke schon eher zu verrauscht. Da lohnt es sich nur noch, wenn es darum geht das Bild lieber rauschend zu haben, als gar nicht. Im Bereich der Empfindlichkeit hat Nikon also schon mal ganze Arbeit geleistet.

Der Autofokus der D5

Über den Autofokus hatte ich auch schon viel gelesen. Richtig ausgiebig testen konnte ich die AF-Nachverfolgung der D5 mangels Sportevents oder ähnlichem leider nicht. An ein paar vorbeifahrenden Autos und Motorrädern habe ich ihn ein bisschen ausprobiert, hier hat die D5 durchwegs gut gearbeitet und alle Bilder waren gestochen scharf. Aber es waren eben auch keine sehr schwierigen Bedingungen. Im Allgemeinen hat der Autofokus aber sehr schnell und sehr präzise gearbeitet, auch bei dunklen Motiven. Positiv bewerten kann ich auch die Abdeckung der Randbereiche mit Kreuzsensoren, was schon lange auf meiner Wunschliste stand. Damit hat der AF auch bei Porträtaufnahmen im Hochformat stets zuverlässig seinen Dienst getan.

Der automatische Weißabgleich

Der automatische Weißabgleich verfügt nun über drei Modi Auto, Auto1 und Auto2. Der erste Modus des AWB ist dabei auf neutrale Farben ausgelegt, versucht also ein möglichst sauberes Weiß zu produzieren. Auto1 ist etwas wärmer abgestimmt, und Auto2 soll Warmtöne erhalten, z.B. wenn Abendstimmung bei Kunstlicht wiedergegeben werden soll. In der Test Zeit hatte ich den Weißabgleich der Nikon D5  meist auf Auto, dieser Modus hat dabei sehr gute Ergebnisse produziert. Der Weißabgleich war in dieser Einstellung deutlich “cleaner” als z.B. bei meiner Nikon D4.

4K-Video mit der Nikon D5

Nachdem das Problem mit der maximalen Aufnahmedauer für Videos in 4K-Auflösung (ursprünglich maximal 3 Minuten, jetzt 30 Minuten) per Firmwareupdate behoben wurde, kann man die neue Nikon auch in der Praxis sinnvoll für Videoaufnahmen testen. Leider hatte ich für meinen Test nicht genügend Zeit, um mich mit dem Thema DSLR-Video an der D5 ausführlich auseinander zu setzen. Bei einem kurzen Testclip konnte ich lediglich feststellen, dass auch im 4K-Video durchaus mit recht hohen ISO-Werten gearbeitet werden kann.

Belichtungsmessung, Haptik etc.

Die Belichtungsmessung hat im Testzeitraum zuverlässig gearbeitet. Allerdings habe ich die meiste Zeit auch mit manuellen Einstellungen fotografiert, somit kann ich hier noch kein abschließendes Urteil abgeben. Die Haptik ist gewohnt gut. Die Verlegung der ISO-Taste und der Modus-Taste ist etwas gewöhnungsbedürftig, aber an sich eine sinnvolle Sache. Die ISO-Einstellungen lassen sich so sehr schnell korrigieren. Ich hätte mir aber gewünscht, dass der “Mode”-Knopf an die Stelle gerückt wäre, wo bei der D4(s) die ISO war. Dann wäre die Umstellung wesentlich einfacher. Sehr positiv finde ich, dass es nun noch eine “Aufnahmebetriebsart”-Taste gibt, mit der sich die Einstellungen Einzelbild, Serienaufnahmen, Quiet-Modus, Selbstauslöser und Spiegelvorauslösung per Taste und Daumenrad einstellen lassen, oder das Wählrad oben links betätigen zu müssen. Damit kann man schnell zwischen den Modi wechseln, ohne die Kamera abzusetzen. Ansonsten ist Nikon auch bei der D5 bei den gewohnten Menüs geblieben. Für den langjährigen Nutzer sind diese recht selbsterklärend, aber durch den ständigen Zuwachs an Features mit jedem neuen Modell wirkt das Menü inzwischen recht überladen. Hier könnte man sich für zukünftige Modelle gerne mal was neues ausdenken. Der Touchscreen ist im Menü leider auch weitgehend funktionslos (zum Glück ist aber Texteingabe per Touchscreen möglich!).

Die Bildqualität der D5

Auch über die Bildqualität war viel diskutiert worden. Während die Auflösung von 20 Megapixeln wohl eine sehr passende Größe für die Zwecke ist, für die die neue Nikon angedacht ist, gibt es wohl einen erkennbaren Rückgang des Dynamikumfangs zugunsten der Rauscharmut. So verzeichnet DxO-Mark eine ganze Blende weniger Dynamikumfang der D5 im Vergleich zur D4s, und immerhin noch eine knappe Blende gegenüber meiner D4. Dies war einer der großen Wermutstropfen, welcher mich neben einigen anderen (nicht vorhandenen) Eigenschaften erst mal sehr skeptisch gegenüber des neuen Nikon-Spitzenmodells sein ließ. In der Praxis ist mir dieser Unterschied dann doch kaum aufgefallen, auch beim Nachbearbeiten im (für mich) normalen Umfang. Wenn man ein deutlich unterbelichtetes Bild aufhellt, fällt es allerdings schon deutlicher auf. Somit muss ich sagen, dass dieser Aspekt doch einen Rückschritt darstellt, auch wenn er sich nur geringfügig auswirkt. Ansonsten war die Bildqualität sehr zufriedenstellend, die Farbwiedergabe war sehr gut.

Praxis-Test im Job

Während der Testzeit habe ich die Kamera auch für den Termin des Mannschaftsfotos und der Spielerporträts des 1. FC Nürnberg genutzt. Hier gab es natürlich wenig außergewöhnliche Herausforderungen an eine Profi-DSLR. Allerdings bewährte sich die Abdeckung des AF mit Kreuzsensoren bei Hochformatporträts. Auch die Auflösung von 20 Megapixeln war für das Gruppenfoto gerade noch ausreichend.

Pro und Contra Nikon D5

Für die D5 sprechen nach dem Test:

  • Rauschverhalten bei hohen ISO-Werten
  • Autofokus im Hochformat
  • Bedienbarkeit mit neu positionierter ISO-Taste und Aufnahmebetriebsart-Taste
  • Touchscreen
  • automatischer Weißabgleich
  • Akkulaufzeit und Verwendbarkeit der D4-Akkus
  • einheitliche Kartenslots (entweder 2x XQD oder 2x CF)
  • Autofokus macht einen guten Eindruck

Gegen die D5 sprechen:

  • reduzierter Dynamikumfang
  • kein GPS
  • kein WiFi
  • auch kein NFC oder Bluetooth
  • kein klappbares Display
  • überladene Menüs

Neutrale Punkte:

  • Auflösung: 20 MP sind ausreichend, aber eben auch nicht sehr viel
  • 4K-Video (ich filme wenig mit DSLR)

Mein Fazit

Die neue Profi-Spiegelreflex von Nikon hat mich mehr überzeugt, als ich es im Vorfeld erwartet hätte. Vor allem wegen des reduzierten Dynamikumfangs war ich sehr skeptisch. Dieser hat sich aber bei weitem nicht so stark ausgewirkt, wie ich es befürchtet hatte. Die Farbwiedergabe und das (Nicht-)Rauschen bei sehr hohen ISO-Werten hat mich dagegen positiv überrascht. Da hätte ich vorher nicht so viel erwartet. Der Touchscreen ist meines Erachtens auch eine echte Bereicherung, da er das Kontrollieren und Durchsehen der Bilder deutliche beschleunigt. Es bleiben die Wermutstropfen, die schon bei der Vorstellung ersichtlich waren: Kein WiFi oder sonstige, kabellose Verbindungsmöglichkeit zu anderen Geräten. Da kann man in der Kamera schon Bilder und Videos bearbeiten, diese aber nicht direkt in entsprechende Medien hochladen. Wozu soll sowas dann überhaupt gut sein? Auch ein (zumindest auf der horizontalen Achse) klappbares Display wäre wünschenswert gewesen. Trotzdem ist es eine sehr gute Kamera mit einigem Potenzial geworden. Das die Spitzenmodelle nicht mehr in jedem Bereich das Beste bieten, daran konnte man sich bei Nikon seit der Einführung der D800 schon gewöhnen. Es wir in Zukunft wohl erst mal je ein Top-Modell für Bildqualität, und ein Top-Modell für Geschwindigkeit und Low-Light-Fähigkeiten geben, und man wird je nach Situation nach der ein einen oder der anderen greifen. Schade nur, dass die Reportagekameras (also letztere) trotzdem einen einsamen Spitzenplatz in Sachen Preis einnehmen…

 

6 Comments

  1. Manfred Gasser
    27. Juli 2016 at 23:22 — Antworten

    Der Autofocus der D5 finde ich ist wesentlich besser (viel genauer und schneller) wie bei der D4s! LG Manfred

    • admin
      28. Juli 2016 at 19:00 — Antworten

      Hallo Manfred,
      ja, dass stelle ich im inzwischen angelaufenen “Langzeittest” mit eigener D5 auch mehr und mehr fest 🙂

      LG, Matthias

  2. Dieter Tatzer
    29. Juli 2016 at 18:32 — Antworten

    Ich habe die D5 seit dem ersten Tag der Verfügbarkeit, daher auch schon recht ausgiebig getestet.
    Die hohen ISO-Zahlen sind ein echter Fortschritt zur D4s (ich fotografiere oft schon weit vor Sonnenaufgang in der Dämmerung und die 5-er erinnert manchmal schon an ein Nachtsichtgerät). Die Farbdarstellung bei hohen ISO’s begeistert mich ebenfalls.
    Der AF ist absolut Top – einmal festgebissen lässt er in der Verfolgung so gut wie nicht mehr los. Selbst bei langen Serien kaum Ausfälle.
    Die Steigerung der Pixel auf 20 ist manchmal recht angenehm, wenn man bei langen Brennweiten doch noch einen Ausschnitt braucht – da geht wesentlich mehr als bei den 4-ern.
    Alles in allem finde ich die D5 sehr gelungen – sie lässt kaum Wünsche offen – was mich betrifft ….

    • admin
      1. August 2016 at 19:45 — Antworten

      Ja, das sehe ich sehr ähnlich! Nenne sie nun auch schon eine Weile mein Eigen, und bin mehr und mehr begeistert. Es verstecken sich hinter den nackten Zahlen auch eine Menge an verbesserten Features, die man auf Anhieb gar nicht überblickt. Seit der D3 hat mich kein neues Model mehr so überzeugt, wie die D5.

  3. W.Berberich
    3. August 2016 at 15:32 — Antworten

    Ich habe sie noch nicht, weil ich sie auch nicht brauche. Ich arbeite langsam, kein Sport, keine Reportage. Daher arbeite ich noch mit der D3x. Gekauft hätte ich sie allerdings, hätte sie mindestens einen 36MP Chip. 20 MP sind mir im Vergleich zu meiner D3x mit 24 MP zu wenig. Aber ich denke, es wird in naher Zukunft vielleicht auch eine D5x geben. – Die wäre dann die meine.

    • admin
      3. August 2016 at 15:45 — Antworten

      Das kann ich gut verstehen. Die D5 ist definitv auf Geschwindigkeit und Low-Light ausgelegt. Ich bezweifle allerdings, dass es eine D5x geben wird. Nikon hat mit der D4 und der anschließend erschienenen D800 die Zweigleisigkeit bei den Profi-Gehäusen aufgegeben. Canon macht das inzwischen auch nicht mehr. Ich würde eher erwarten, dass es bald etwas neues in Richtung D820 oder D850 geben wird.

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